London Dry Gin vs. New Western Gin: Zwei Stile, ein Streitpunkt
Am einen Ende des Regals steht der Klassiker mit Wacholder und Zitrus. Am anderen eine Flasche mit Gurke, Rose oder Yuzu. Beide heißen Gin. Dazwischen liegt eine Frage, die Barkeeper gern stundenlang diskutieren: Was ist eigentlich der Unterschied?
Die beiden im direkten Vergleich
| Merkmal | London Dry Gin | New Western Dry Gin |
|---|---|---|
| Rechtlicher Status | Definierte Unterart von Gin (EU-Verordnung 2019/787) | Keine offizielle Kategorie, ein Marketing- und Stilbegriff |
| Wacholder | Steht im Vordergrund | Gleichberechtigt oder zurückgenommen |
| Aromatisierung nach der Destillation | Nicht erlaubt | Möglich, wenn er als Distilled Gin oder Gin läuft |
| Zucker | Max. 0,1 g pro Liter | Je nach Kategorie |
| Farbstoffe | Nicht erlaubt | Je nach Kategorie |
| Herkunft | Nicht geschützt, muss nicht aus London kommen | Frei |
| Typischer Geschmack | Klar, trocken, harzig, zitrisch | Floral, fruchtig, würzig, experimentell |
| Bekannte Beispiele | Tanqueray, Beefeater, Sipsmith, JUNIPER JACK | Hendrick’s, Aviation, Roku, Brockmans, Tanqueray Ten |
| Passt gut zu | Martini, Gin Tonic, Negroni | Fruchtige Longdrinks, Bramble, Tonic mit passendem Aroma |
London Dry Gin: Die Regeln
Der Name sagt nichts über den Herstellungsort, sondern beschreibt ein Verfahren. Nach EU-Recht gilt für London Gin:
- Grundalkohol
Er ist landwirtschaftlichen Ursprungs.
- Botanicals
Der Alkohol wird mit Wacholder und weiteren natürlichen Pflanzenstoffen redestilliert.
- Destillat
Es muss mindestens 70 % vol. Alkohol haben.
- Nach der Destillation
Keine Aromen und keine Farbstoffe.
- Süße
Höchstens 0,1 g Süßungsmittel pro Liter.
- Herkunft
Der Name ist nicht geschützt. Ein Versuch, ihn 2015 als geografische Angabe zu schützen, wurde nicht umgesetzt.
Geschützt als Herkunft sind dagegen Plymouth Gin, Gin de Mahón und Vilnius Gin.
Das bedeutet: Wer „London Dry“ auf das Etikett schreibt, zeigt, was nicht im Glas ist. Wo nichts nachträglich passiert, muss der Geschmack aus der Destillation selbst kommen. Das ist nicht automatisch besser, aber nachprüfbar. Unseren Klassiker findest du hier: JUNIPER JACK London Dry Gin.
Im GlasJUNIPER JACK London Dry GinDer klassische Stil: Wacholder vorn, destilliert, nichts danach. 46,5 % vol., Wacholder aus kroatischen Nationalparks.Zum Produkt →
New Western Dry Gin: Ein Stil, keine Kategorie
Den Begriff soll Ryan Magarian 2006 zum Start des Aviation Gin geprägt haben, als Anlehnung an „New World“ aus dem Weinbau. Die Entwicklung begann schon vorher mit Bombay Sapphire, Hendrick’s und Tanqueray Ten. Das Typische:
- Wacholder ist da
Sonst wäre es kein Gin, aber er ist nicht mehr der Hauptdarsteller.
- Ausgefallene Botanicals
Gurke, Rose, Yuzu, Lavendel, Gewürze aus Asien oder Afrika.
- Zugänglich
Weniger harzig und scharf, deshalb ein sanfter Einstieg.
Warum „Western“, ist unklar. Eine geografische Bedeutung hat es nicht.
Die Gin-Landkarte
| Kategorie | Status | Merkmal |
|---|---|---|
| Gin | Rechtlich definiert | Wacholder-Geschmack, auch Aromen erlaubt |
| Distilled Gin | Rechtlich definiert | Redestilliert, Nacharomatisierung möglich |
| London Gin / London Dry | Rechtlich definiert | Siehe oben, strengste Regeln |
| Plymouth, Gin de Mahón, Vilnius | Herkunftsgeschützt | Gebiet vorgeschrieben |
| New Western | Nicht offiziell | Wacholder zurückgenommen |
| Old Tom | Nicht offiziell | Leicht gesüßt |
| Navy Strength | Nicht offiziell | Hoher Alkohol, historisch ab 57 % vol. Mehr: Navy Strength |
| Sloe Gin | Likör | Rot, süß-sauer, weniger Alkohol |
Offiziell unterscheidet die Verordnung drei Gin-Kategorien. Die Zahl „13 Kategorien“, die manchmal genannt wird, mischt offizielle und inoffizielle Begriffe.
Wie du die Unterschiede im Glas selbst riechst und schmeckst.
Welcher Gin für welchen Drink
| Drink | Empfehlung | Warum |
|---|---|---|
| Gin Tonic | London Dry | Der Wacholder trägt das Tonic. Mehr: Gin and Tonic |
| Martini | London Dry | Klar und trocken, der Wacholder trägt den Wermut |
| Negroni | London Dry oder Navy Strength | Muss gegen Bitter bestehen |
| Bramble | New Western, zum Beispiel Brockmans | Beerige Botanicals ergänzen die Brombeere |
| Fruchtige Longdrinks | New Western | Mehr Aromen, weniger Härte |
| Pur | Beides | Eine Frage des Geschmacks. Siehe Gin verkosten |
Eine Ausnahme ist der Smoke & Oak. Er ist weder London Dry noch New Western, sondern ein Rauch-Gin, der besser pur oder im Old Fashioned als im Gin Tonic funktioniert. Mehr dazu bei Gin pur oder gemischt.
Im GlasJUNIPER JACK Smoke & OakWacholder trifft Lapsang Souchong und Eiche, 46,5 % vol. Zum Vergleichen neben dem klassischen London Dry.Zum Produkt →
Für wen ist was
Du magst es klassisch und klar
London Dry. Du weißt, was du bekommst.
Gin war dir bisher zu herb
Ein New Western ist ein sanfterer Einstieg.
Du willst Abwechslung
Beides, je nach Anlass. Kein Gin ist besser, er ist passender.
Treue oder Affäre
Der London Dry ist der verlässliche Begleiter, der New Western das Abenteuer. Du musst dich nicht entscheiden: Ein gutes Regal hat beides.
So liest du das Etikett
| Auf dem Etikett | Bedeutung |
|---|---|
| „London Dry Gin“ oder „London Gin“ | Strengste Regeln, keine Nacharomatisierung |
| „Distilled Gin“ | Redestilliert, Nacharomatisierung möglich |
| „Gin“ | Mindeststandard, Aromen erlaubt |
| „Dry“ | Hinweis auf wenig Zucker |
| „New Western“, „Contemporary“, „New Age“ | Kein Rechtsbegriff, Stilbezeichnung des Herstellers |
| Alkoholgehalt unter 37,5 % | Kein Gin im Sinne der EU |
Tipp: Je mehr auf dem Etikett von Aromen die Rede ist, desto genauer solltest du hinsehen.
Kritik am New Western
Die Grenze ist unscharf, denn wie stark der Wacholder dominiert, lässt sich nicht messen. Manche Produkte dehnen die Definition so weit, dass Kritiker sie „aromatisierten Wodka“ nennen. Gleichzeitig erfüllen viele New Westerns die Regeln des London Dry. Beide Kategorien überlappen. Ehrlich ist deshalb nur diese Aussage: London Dry ist ein Verfahren, New Western ein Stil.
Wissens-Check: Wie fit bist du?
Drei Fragen. Tippe auf eine Antwort und sieh, ob du richtig liegst.
1. Wie viel Zucker darf ein London Gin laut EU-Verordnung höchstens enthalten?
A) 0,1 g/l
Richtig. Praktisch zuckerfrei: Die Verordnung (EU) 2019/787 erlaubt höchstens 0,1 g/l.
B) 1 g/l
Knapp daneben. Das wäre das Zehnfache des erlaubten Werts.
C) 10 g/l
Knapp daneben. Das ist bei einem Gin Old Tom oder Likör üblich, nicht bei London Dry.
2. Wer prägte den Begriff „New Western Dry Gin“?
A) Ryan Magarian, 2006
Richtig. Er prägte den Begriff im Umfeld des Aviation Gin.
B) Charles Tanqueray
Knapp daneben. Der lebte im 19. Jahrhundert, lange vor diesem Begriff.
C) Dale DeGroff
Knapp daneben. Er steht für die Cocktail-Renaissance, hat den Begriff aber nicht geprägt.
3. Muss ein London Dry Gin aus London kommen?
A) Ja, sonst darf er nicht so heißen
Knapp daneben. Der Name beschreibt einen Stil, keine Herkunft.
B) Nein, er darf überall hergestellt werden
Richtig. Richtig, „London“ ist ein Herstellungsstil ohne geschützte Herkunft.
Häufige Fragen zu London Dry und New Western
Was ist der Unterschied zwischen London Dry und New Western?
London Dry ist ein gesetzlich definiertes Herstellungsverfahren mit dem Wacholder im Vordergrund. New Western ist ein Stil, bei dem andere Botanicals gleichberechtigt oder dominant sind.
Muss London Dry Gin aus London kommen?
Nein. Der Name beschreibt ein Verfahren, nicht den Ort.
Was heißt „dry“ bei Gin?
Ungesüßt. Bei London Dry sind maximal 0,1 g Zucker pro Liter erlaubt.
Ist New Western eine offizielle Kategorie?
Nein. Es ist ein Stilbegriff, den Ryan Magarian 2006 geprägt haben soll.
Welcher Gin ist besser, London Dry oder New Western?
Keiner. London Dry ist klassischer und klarer, New Western zugänglicher und vielfältiger.
Welcher Gin eignet sich für Gin Tonic?
Meist London Dry, weil der Wacholder das Tonic trägt. Es geht aber auch mit New Western, wenn Tonic und Garnitur passen.
Warum ist London Dry Gin nicht herkunftsgeschützt?
Die Bezeichnung beschreibt ein Verfahren. Ein Versuch, sie 2015 als geografische Angabe zu schützen, wurde nicht umgesetzt.
Welche Gins sind herkunftsgeschützt?
Plymouth Gin, Gin de Mahón und Vilnius Gin.
Was ist der Unterschied zwischen Gin und Distilled Gin?
Bei Distilled Gin wird redestilliert und der Gin darf danach nacharomatisiert werden. Beim einfachen Gin dürfen Aromen zugesetzt werden.
Quellen: The Gin Is In, Cocktail Society, vergleich.org, lebensmittelpraxis.de. Stand: 21.10.2026.
Wie geht es weiter?
Stil kennst du jetzt. Die Frage ist, was in dein Glas kommt.
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