Kostenloser Versand

Gin-Wissen · Louche-Effekt

Gin wird trüb? Der Louche-Effekt einfach erklärt

Wird dein Gin auf Eis, im Kühlschrank oder mit Wasser milchig, ist er nicht kaputt. Das ist der Louche-Effekt: Ätherische Öle aus den Botanicals, die bei hohem Alkoholgehalt gelöst sind, sammeln sich zu winzigen Tröpfchen, sobald es kälter wird oder Wasser dazukommt. Ein rein physikalischer Vorgang, der sich umkehrt, wenn der Gin wieder warm wird. Viel Trübung heißt viel Aroma.

Zum Ritual „Der trübe Moment“ ↓

Von Jörg Fiedler, Gründer von JUNIPER JACK · aktualisiert am 20.10.2026 · Lesezeit ca. 6 Minuten

46,5 % volBei dieser Stärke bleiben die Öle in unserem London Dry gelöst. Der Gin ist glasklar.
5 Sek.auf Eis, dann ziehen die ersten milchigen Schlieren durchs Glas
2 von 300+Gins im House of Gin Berlin zeigten den Effekt so deutlich wie JUNIPER JACK
reversibelBei Zimmertemperatur wird der Gin wieder klar
Gin im Glas mit milchigen Schlieren

„Ist mein Gin kaputt?“

Mitte November 2015, wenige Tage nach dem Start. Eine geöffnete Flasche liegt auf meinem Beifahrersitz, weil ich so gern daran rieche. Kalter Morgen, ich fahre los, und die Flasche ist trüb. Mein erster Gedanke: Rückrufaktion.

Ich habe sofort Siegbert Hennig angerufen, unseren Destillateurmeister. Seine Antwort, sinngemäß: Glückwunsch, genau so soll das sein. Seitdem ist die Trübung kein Schreckmoment mehr, sondern unser Lieblingsmoment.

Was im Glas passiert: Gruppenkuscheln

So hat Siegbert es mir damals am Telefon erklärt, und so erkläre ich es bis heute am Tresen:

Alle sind vergebenBei 46,5 % vol hat der Alkohol genug Kraft, jedes einzelne Öl-Molekül aus Wacholder, Zitrus und Koriander an sich zu binden. Jeder hat seinen Partner, alle sind glücklich, der Gin ist glasklar.
Plötzlich SingleDann kommt Kälte ins Spiel oder Wasser. Der Alkohol verliert an Bindungskraft und lässt los. Die Öl-Moleküle stehen allein da und suchen sich einen neuen Bindungspartner. Das Wasser will sie nicht.
GruppenkuschelnAlso finden sie niemanden außer sich selbst. Sie rücken zusammen, bilden kleine Grüppchen, und die werden irgendwann groß genug, um das Licht zu brechen. Dein Gin wird milchig.

Und wenn es wieder wärmer wird? Dann löst sich das Kuscheln auf, jedes Molekül findet zurück zu seinem Alkohol, und der Gin ist wieder klar. Nichts ist kaputt, nichts ist verloren. Je mehr Öl im Gin steckt, desto größer die Kuschelrunde und desto trüber das Glas. Viel Trübung heißt also: viel Geschmack.

Die Wissenschaft sagt dazu weniger romantisch „spontane Emulgierung“, bekannter ist der Name Ouzo-Effekt oder Louche-Effekt (französisch „louche“, trüb). Bei Ouzo, Pastis und Absinth ist es vor allem Anethol aus dem Anis, beim Gin sind es Terpene wie das α-Pinen aus dem Wacholder. Die Tröpfchen sind erstaunlich stabil. Bei Ouzo haben Physiker sie gemessen: rund ein Tausendstel Millimeter, mit der Zeit wachsen sie auf etwa drei an.

Warum viele Gins nie trüb werden

Der Louche-Effekt hängt an drei Dingen: wie viel ätherisches Öl im Gin steckt, wie viel Alkohol ihn in Lösung hält und wie er gefiltert wurde.

Wenig BotanicalsWer am Rohstoff spart, hat wenig Öl im Gin. Dann gibt es auch nichts, was sich zu Tröpfchen zusammenfinden könnte.
KältefiltrationViele Hersteller kühlen ihren Gin vor dem Abfüllen stark herunter und filtern alles heraus, was dabei trüb wird. Das Ergebnis bleibt immer klar, verliert dabei aber einen Teil der Öle. Wir filtern nur grob, die Öle bleiben drin.
Wenig AlkoholEin Gin mit 37,5 % vol kann von vornherein weniger Öl in Lösung halten.

Bei uns verstärkt noch eine Zutat den Effekt: Wermut, im Ensemble unseres Etiketts „Duke Vermouth“ genannt. In unserer Navy Strength mit 57,2 % vol ist der Effekt noch ausgeprägter.

Wann wird Gin trüb, und wann solltest du stutzig werden?

Auf EisNormal. Je kälter und ölreicher der Gin, desto schneller und deutlicher.
Mit Tonic oder WasserNormal. Verdünnung löst den Effekt aus, im Sprudel siehst du ihn nur schlechter.
Im Kühlschrank oder GefrierfachNormal. Die ganze Flasche kann milchig werden und wird bei Zimmertemperatur wieder klar.
Nach dem Transport im WinterNormal. So ging es mir 2015 auf dem Beifahrersitz.
Trüb bei Zimmertemperatur, Flocken oder BodensatzNicht typisch. Schreib uns mit Foto und Chargennummer an gin@juniper-jack.de, wir schauen es uns an.

Das Ritual: Der trübe Moment

Aus dem Schreckmoment ist unser Gin Tonic geworden: 4 cl London Dry Gin auf viel Eis, fünf Sekunden zuschauen, dann 12 cl trockenes Tonic und eine Zitronenzeste. Zubereitungszeit: zwei Minuten.

Zutaten für 1 Drink
4 cl JUNIPER JACK London Dry Gin
12 cl trockenes Indian Tonic, gut gekühlt
reichlich große Eiswürfel
1 Zitronenzeste (ein Streifen Schale, ohne das Weiße)

Das brauchst du
großes Glas (Highball oder Ballonglas)
Messbecher (Jigger)
Barlöffel
Sparschäler für die Zeste

EisDas Glas randvoll mit Eis füllen und kurz kalt werden lassen.
Gin4 cl JUNIPER JACK direkt auf das Eis gießen.
Der trübe MomentFünf Sekunden zuschauen. Wo der Gin das Eis trifft, ziehen milchige Schlieren durchs Glas.
Tonic12 cl Tonic langsam am Barlöffel entlang einlaufen lassen, damit die Kohlensäure bleibt.
ZesteÜber dem Glas knicken, damit die Öle auf den Drink sprühen, über den Glasrand streichen und hineingeben.
Einmal ziehenMit dem Barlöffel einmal von unten nach oben. Fertig.

Fünf Regeln für den trüben Moment

Viel Eis, große WürfelEin volles Glas kühlt schneller und schmilzt langsamer. Der Drink wird kälter und verwässert weniger. Und nur kalter Gin wird trüb. Mehr dazu im Artikel über Eis.
Gin zuerst, Tonic danachNur so siehst du den trüben Moment. Tonic zuerst verdünnt sofort, die Schlieren verschwinden im Sprudel.
Trockenes TonicIndian Tonic mit guter Kohlensäure und mittlerer Bitterkeit. Stark gesüßte oder aromatisierte Tonics überdecken den Wacholder.
Zeste statt ScheibeDie Zeste bringt die Zitronenöle obenauf, ohne Säure und Saft. Eine Scheibe macht den Drink sauer und wässrig.
Dein Verhältnis finden1 : 3 ist unser Ausgangspunkt. Weil so viel Aroma im Gin steckt, reichen 4 cl, mit Navy Strength sogar 3 cl. Mehr zum Mischverhältnis beim Gin Tonic.

Wie viel Alkohol steckt im trüben Moment? Rechenweg: 4 cl × 46,5 % = 1,86 cl reiner Alkohol, also rund 15 g (1,86 cl × 0,789 g/ml). Auf 16 cl Drink sind das etwa 11,6 % vol, durch das Schmelzwasser etwas weniger.

Mit diesen Gins klappt es

Am deutlichsten wird der Effekt mit unserer Navy Strength, am klassischsten im London Dry.

London Dry Gin - 500 ml
500 ml

Inhalt: 0.5 Liter (ab 71,96 €* / 1 Liter)

35,98 €* - 39,98 €*
Navy Strength Gin - 57,2% vol
500 ml

Inhalt: 0.5 Liter (ab 79,96 €* / 1 Liter)

39,98 €* - 44,98 €*
Tasting Set - 3 x 100 ml
300 ml

Inhalt: 0.3 Liter (ab 123,27 €* / 1 Liter)

36,98 €* - 39,98 €*

Häufige Fragen

Warum wird mein Gin trüb?

Durch den Louche-Effekt. Bei Kälte oder Verdünnung kann der Alkohol die ätherischen Öle aus den Botanicals nicht mehr vollständig gelöst halten. Sie bilden winzige Tröpfchen, die das Licht streuen.

Ist trüber Gin schlecht oder kaputt?

Nein. Die Trübung zeigt, dass viele ätherische Öle und damit viel Aroma im Gin stecken. Bei Zimmertemperatur wird er wieder klar. Ungewöhnlich sind nur Flocken, Bodensatz oder eine Trübung, die bei Zimmertemperatur bleibt.

Warum wird Gin im Kühlschrank trüb?

Kälte senkt die Löslichkeit der Öle. Ein ölreicher, nicht kältefiltrierter Gin kann deshalb im Kühlschrank oder Gefrierfach milchig werden. Das schadet ihm nicht.

Zeigt jeder Gin den Louche-Effekt?

Nein. Viele Gins werden kältefiltriert oder enthalten wenig ätherisches Öl und bleiben deshalb klar. Deutlich trüb werden vor allem ölreiche, nicht kältefiltrierte Gins mit hohem Alkoholgehalt.

Was ist der Unterschied zum Ouzo-Effekt?

Es ist derselbe physikalische Vorgang. Bei Ouzo und Pastis sind es die Öle aus dem Anis, vor allem Anethol, beim Gin Terpene aus Wacholder und Botanicals. In beiden Fällen ein rein physikalischer, umkehrbarer Vorgang.

Was ist der trübe Moment?

Der Gin Tonic von JUNIPER JACK als Ritual: 4 cl London Dry Gin auf viel Eis, fünf Sekunden warten, bis der Gin trüb wird, dann 12 cl trockenes Tonic und eine Zitronenzeste.

Quelle: Vitale, S. A.; Katz, J. L.: Liquid Droplet Dispersions Formed by Homogeneous Liquid-Liquid Nucleation: „The Ouzo Effect“. Langmuir 19 (2003), S. 4105 bis 4110.