Gin-Wissen · Louche-Effekt
Gin wird trüb? Der Louche-Effekt einfach erklärt
Wird dein Gin auf Eis, im Kühlschrank oder mit Wasser milchig, ist er nicht kaputt. Das ist der Louche-Effekt: Ätherische Öle aus den Botanicals, die bei hohem Alkoholgehalt gelöst sind, sammeln sich zu winzigen Tröpfchen, sobald es kälter wird oder Wasser dazukommt. Ein rein physikalischer Vorgang, der sich umkehrt, wenn der Gin wieder warm wird. Viel Trübung heißt viel Aroma.
Zum Ritual „Der trübe Moment“ ↓
„Ist mein Gin kaputt?“
Mitte November 2015, wenige Tage nach dem Start. Eine geöffnete Flasche liegt auf meinem Beifahrersitz, weil ich so gern daran rieche. Kalter Morgen, ich fahre los, und die Flasche ist trüb. Mein erster Gedanke: Rückrufaktion.
Ich habe sofort Siegbert Hennig angerufen, unseren Destillateurmeister. Seine Antwort, sinngemäß: Glückwunsch, genau so soll das sein. Seitdem ist die Trübung kein Schreckmoment mehr, sondern unser Lieblingsmoment.
Was im Glas passiert: Gruppenkuscheln
So hat Siegbert es mir damals am Telefon erklärt, und so erkläre ich es bis heute am Tresen:
Und wenn es wieder wärmer wird? Dann löst sich das Kuscheln auf, jedes Molekül findet zurück zu seinem Alkohol, und der Gin ist wieder klar. Nichts ist kaputt, nichts ist verloren. Je mehr Öl im Gin steckt, desto größer die Kuschelrunde und desto trüber das Glas. Viel Trübung heißt also: viel Geschmack.
Die Wissenschaft sagt dazu weniger romantisch „spontane Emulgierung“, bekannter ist der Name Ouzo-Effekt oder Louche-Effekt (französisch „louche“, trüb). Bei Ouzo, Pastis und Absinth ist es vor allem Anethol aus dem Anis, beim Gin sind es Terpene wie das α-Pinen aus dem Wacholder. Die Tröpfchen sind erstaunlich stabil. Bei Ouzo haben Physiker sie gemessen: rund ein Tausendstel Millimeter, mit der Zeit wachsen sie auf etwa drei an.
Warum viele Gins nie trüb werden
Der Louche-Effekt hängt an drei Dingen: wie viel ätherisches Öl im Gin steckt, wie viel Alkohol ihn in Lösung hält und wie er gefiltert wurde.
Bei uns verstärkt noch eine Zutat den Effekt: Wermut, im Ensemble unseres Etiketts „Duke Vermouth“ genannt. In unserer Navy Strength mit 57,2 % vol ist der Effekt noch ausgeprägter.
Wann wird Gin trüb, und wann solltest du stutzig werden?
| Auf Eis | Normal. Je kälter und ölreicher der Gin, desto schneller und deutlicher. |
|---|---|
| Mit Tonic oder Wasser | Normal. Verdünnung löst den Effekt aus, im Sprudel siehst du ihn nur schlechter. |
| Im Kühlschrank oder Gefrierfach | Normal. Die ganze Flasche kann milchig werden und wird bei Zimmertemperatur wieder klar. |
| Nach dem Transport im Winter | Normal. So ging es mir 2015 auf dem Beifahrersitz. |
| Trüb bei Zimmertemperatur, Flocken oder Bodensatz | Nicht typisch. Schreib uns mit Foto und Chargennummer an gin@juniper-jack.de, wir schauen es uns an. |
Das Ritual: Der trübe Moment
Aus dem Schreckmoment ist unser Gin Tonic geworden: 4 cl London Dry Gin auf viel Eis, fünf Sekunden zuschauen, dann 12 cl trockenes Tonic und eine Zitronenzeste. Zubereitungszeit: zwei Minuten.
Zutaten für 1 Drink
4 cl JUNIPER JACK London Dry Gin
12 cl trockenes Indian Tonic, gut gekühlt
reichlich große Eiswürfel
1 Zitronenzeste (ein Streifen Schale, ohne das Weiße)
Das brauchst du
großes Glas (Highball oder Ballonglas)
Messbecher (Jigger)
Barlöffel
Sparschäler für die Zeste
Fünf Regeln für den trüben Moment
Wie viel Alkohol steckt im trüben Moment? Rechenweg: 4 cl × 46,5 % = 1,86 cl reiner Alkohol, also rund 15 g (1,86 cl × 0,789 g/ml). Auf 16 cl Drink sind das etwa 11,6 % vol, durch das Schmelzwasser etwas weniger.
Mit diesen Gins klappt es
Am deutlichsten wird der Effekt mit unserer Navy Strength, am klassischsten im London Dry.
Häufige Fragen
Warum wird mein Gin trüb?
Durch den Louche-Effekt. Bei Kälte oder Verdünnung kann der Alkohol die ätherischen Öle aus den Botanicals nicht mehr vollständig gelöst halten. Sie bilden winzige Tröpfchen, die das Licht streuen.
Ist trüber Gin schlecht oder kaputt?
Nein. Die Trübung zeigt, dass viele ätherische Öle und damit viel Aroma im Gin stecken. Bei Zimmertemperatur wird er wieder klar. Ungewöhnlich sind nur Flocken, Bodensatz oder eine Trübung, die bei Zimmertemperatur bleibt.
Warum wird Gin im Kühlschrank trüb?
Kälte senkt die Löslichkeit der Öle. Ein ölreicher, nicht kältefiltrierter Gin kann deshalb im Kühlschrank oder Gefrierfach milchig werden. Das schadet ihm nicht.
Zeigt jeder Gin den Louche-Effekt?
Nein. Viele Gins werden kältefiltriert oder enthalten wenig ätherisches Öl und bleiben deshalb klar. Deutlich trüb werden vor allem ölreiche, nicht kältefiltrierte Gins mit hohem Alkoholgehalt.
Was ist der Unterschied zum Ouzo-Effekt?
Es ist derselbe physikalische Vorgang. Bei Ouzo und Pastis sind es die Öle aus dem Anis, vor allem Anethol, beim Gin Terpene aus Wacholder und Botanicals. In beiden Fällen ein rein physikalischer, umkehrbarer Vorgang.
Was ist der trübe Moment?
Der Gin Tonic von JUNIPER JACK als Ritual: 4 cl London Dry Gin auf viel Eis, fünf Sekunden warten, bis der Gin trüb wird, dann 12 cl trockenes Tonic und eine Zitronenzeste.
Weiterlesen
Quelle: Vitale, S. A.; Katz, J. L.: Liquid Droplet Dispersions Formed by Homogeneous Liquid-Liquid Nucleation: „The Ouzo Effect“. Langmuir 19 (2003), S. 4105 bis 4110.