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Unsere Geschichte · London 1736

Wer ist JUNIPER JACK? Die wahre Geschichte hinter dem Namen

JUNIPER JACK gab es wirklich. 1736 schrieb er in London ein Theaterstück gegen das Gin-Gesetz des Königs und versteckte sich hinter einem Pseudonym. Hier liest du, wie ich ihn in einem alten Buch gefunden habe, warum sein Name auf unserer Flasche steht und was du auf dem Etikett alles entdecken kannst.

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Von Jörg Fiedler, Gründer von JUNIPER JACK · aktualisiert am 20.10.2026 · Lesezeit ca. 8 Minuten

02.08.1736Aufführung von „The Deposing and Death of Queen Gin“ im New Theatre am Haymarket
£ 50kostete nach dem Gin Act von 1736 die Jahreslizenz für den Gin-Ausschank
1.736Flaschen in unserer Erstauflage 2015, jede von Hand nummeriert
3Botanicals bleiben geheim: „The Rest is Silence“
Siegbert Hennig, Destillateurmeister, an der Brennblase
Siegbert Hennig. Foto: Uwe Jacobshagen

„Was kümmert uns, was andere machen?“

Herbst 2013. Siegbert Hennig, Destillateurmeister der Meissener Spezialitätenbrennerei, und ich saßen zusammen, um Bestellungen zu besprechen. Ich habe damals seine Brände gehandelt, wir kannten uns seit 2008. Er erzählte, dass die Kundschaft für klassischen Obstbrand langsam ausstirbt. Und fragte, was man zusammen Spannendes machen könnte.

Schweigen. Ich ging innerlich die Spirituosen alphabetisch durch. „A wie Absinth“ habe ich laut gesagt und gleich wieder verworfen. Irgendwann sagte Siegbert: „Gin.“ Meine erste Reaktion: großartig. Meine zweite: „Machen doch schon so viele!“ Seine Antwort war der Schlüsselmoment: „Pfff … was kümmert uns, was andere machen!“

Verstanden habe ich erst am nächsten Morgen, was er mir angeboten hatte: Er entwickelt die Rezeptur für meinen Gin. Ich habe ihn angerufen, er hat es bestätigt. Ab da war ich Feuer und Flamme.

Titelblatt von 1736: The Deposing and Death of Queen Gin, written by Jack Juniper
Titelblatt der Erstausgabe, London 1736

57 Seiten bis zu einem Brennerei-Lehrling

Mit dem Bild einer Gin-Flasche im Kopf bin ich am nächsten Tag in die Sächsische Landesbibliothek gegangen. Die Ausbeute war ernüchternd: ein einziges ernstzunehmendes Buch über Gin, in altem Englisch. Aber es hatte es in sich. Nach 57 anstrengenden Seiten stieß ich auf ein Theaterstück aus dem Jahr 1736.

Der Titel: „The Deposing and Death of Queen Gin, with the Ruin of the Duke of Rum, Marquee de Nantz, and the Lord Sugarcane“. Eine „heroisch-komisch-tragische Farce“, geschrieben von Jack Juniper, a Distiller's Apprentice, just turn'd Poet: einem Brennerei-Lehrling, der gerade zum Dichter geworden war. So steht es auf dem Titelblatt.

Wer wirklich dahinter steckte, weiß bis heute niemand. Juniper ist das englische Wort für Wacholder. Ein Deckname, der nicht verrät, wer er ist, aber sehr deutlich, wofür er steht.

London 1736: eine Stadt im Gin-Rausch

Um zu verstehen, warum ein Lehrling ein Theaterstück gegen den König schreibt, muss man wissen, wie London damals tickte. Seit Wilhelm III. Ende des 17. Jahrhunderts französischen Brandy zurückdrängte und das Brennen im eigenen Land förderte, war Gin billig und überall. Brennen durfte praktisch jeder, und vieles, was als Gin verkauft wurde, hatte mit Wacholder wenig zu tun. Die Historiker nennen diese Jahre den Gin Craze.

1690Das Monopol der Londoner Destillateurs-Gilde fällt. Brennen wird für fast jeden möglich.
1721Die Friedensrichter von Middlesex nennen Gin die Hauptursache für Laster und Ausschweifung der „einfachen Leute“.
05.05.1736Der Gin Act erhält die königliche Zustimmung, unter König Georg II. Ab Ende September: 50 Pfund Jahreslizenz für den Ausschank und 20 Schilling Steuer pro Gallone. Angeblich wurden nur zwei Lizenzen je gekauft.
Sommer 1736Protest auf allen Kanälen: Flugschriften, Gedichte und Theaterstücke. Am 2. August wird Jack Junipers Farce aufgeführt.
1743Das Gesetz ist gescheitert und wird praktisch aufgehoben. Der Konsum erreicht seinen Höhepunkt: rund 10 Liter Gin pro Kopf und Jahr in England.
1751Ein neues Gin-Gesetz und William Hogarths Kupferstich „Gin Lane“ läuten das Ende des Gin Craze ein.
Frau im Kleid der 1920er vor dem Theatre Royal Haymarket in London
Am Haymarket in London. Das heutige Theatre Royal steht neben dem Ort des New Theatre von 1736.

Trauerzüge für „Madame Geneva“

Die Londoner nahmen das Gesetz nicht hin. Als es Ende September 1736 in Kraft trat, wurden Scheinbegräbnisse für „Madame Geneva“ abgehalten, wie der Gin damals hieß. Punschverkäufer verhängten ihre Läden schwarz und strichen ihre Bowlen schwarz an. Die Regierung fürchtete einen Aufstand und ließ Wachen und Grenadiere durch Covent Garden marschieren.

Jack Juniper wehrte sich mit Humor. In seinem Stück sind die Getränke selbst die Hauptdarsteller, und wie bei Shakespeare sterben am Ende alle. Eine literarische Ohrfeige für den König und sein Gesetz. Sicher, er war ein lausiger Dichter. Aber ein mutiger Rebell mit Sinn für Kultur.

„Das passt zu uns. Eine kleine Manufaktur im Haifischbecken der Industrie.“Jörg Fiedler

Warum ausgerechnet er

Keine 24 Stunden nach dem Gespräch mit Siegbert hatte ich unseren Helden gefunden. Ein Lehrling, der sich mit den Mitteln wehrt, die er hat. Der seinen eigenen Weg geht, beharrlich und mit Witz. Genau so wollte ich meinen Gin machen: ohne Kompromisse, handwerklich sauber, ehrlich.

Aus Jack Juniper wurde JUNIPER JACK. Und unsere Firma heißt bewusst Independent Spirit Dresden GmbH: Spirit wie Spirituose und Spirit wie Geist. Unabhängig. Das ist der Kern der Marke.

Gezeichneter Kopf von JUNIPER JACK mit Brombeerranken
Zeichnung: Stefan Gunnesch

Schatzsuche: Was auf deiner Flasche steht

Nimm eine Flasche JUNIPER JACK und dreh sie einmal ganz um dich herum. Fast jedes Detail erzählt ein Stück der Geschichte von 1736.

Zinnetikett von JUNIPER JACK London Dry Gin in Nahaufnahme
Das Zinnetikett
Das ZinnetikettPapier war teuer, Eintrittskarten fürs Theater waren deshalb kleine Plaketten aus Blech, die man einsammeln und wiederverwenden konnte. Wie sie aussahen, habe ich mit dem British Museum recherchiert.
Der KopfNiemand weiß, wie Jack Juniper aussah. Der Leipziger Künstler Stefan Gunnesch hat ihm ein Gesicht gegeben: gerader Blick, ein Kratzer auf der linken Wange, Brombeerranken im Haar, die sich mit Dornen über die Flasche ziehen. Nicht schön, aber mit Charakter.
Die DarstellerUnsere benannten Botanicals tragen Rollennamen wie im Stück: Juniper, Madame Orange, Earl Lemon, Lord Blackberry, Lady Mint, Sir Coriander und Duke Vermouth.
„The Rest is Silence“Hamlets letzte Worte. Drei weitere Botanicals bleiben unser Geheimnis.
Die versteckte BotschaftVon hinten durch die Flasche, spiegelverkehrt und halb verdeckt vom Frontetikett: „Liberty, Property and Gin Forever.“ Die Regieanweisung dazu: „Drinks and throw up their heads.“
Lord BlackberryBrombeeren schmeckt man im Destillat kaum. Damit der Lord trotzdem auf die Bühne kommt, nehmen wir Brombeerblätter, aus Siegberts eigenem Garten. Sie geben eine kräuterige, erdige Note.
1.736 FlaschenSo viele Flaschen hatte die Erstauflage 2015, nach dem Jahr der Uraufführung. Sechs Künstler gestalteten je ein Motiv für ein kleines Booklet, mit Bändchen und Plombe an jeder Flasche. Ein unglaubliches Gefummel beim Abfüllen. Ich würde es wieder so machen.

Post aus Tennessee

JUNIPER JACK stand beim Patentamt, bevor es die erste Flasche gab. Kurz darauf lag ein ziemlich dicker Umschlag in meinem Briefkasten. Absender: die Anwälte eines sehr berühmten Namensvetters aus Tennessee, dessen Whiskey du ganz sicher schon mal im Regal gesehen hast.

Ich habe mich für die Aufmerksamkeit ehrlich geehrt gefühlt. Ungefähr fünf Minuten lang. Dann habe ich gelesen, worum es ging: um ein bisschen zu viel Jack.

Es folgten ein paar Jahre Briefwechsel, in denen ich mehr über Markenrecht gelernt habe, als ich je wissen wollte. Am Ende haben wir uns ganz zivilisiert geeinigt und einen Koexistenzvertrag geschlossen. Seitdem ist alles gut: Die einen machen Whiskey, wir machen Gin. Einen JUNIPER JACK Whisky wird es also nicht geben. War aber auch nie mein Plan ;)

2025 haben wir die Marke um weitere zehn Jahre verlängert. Der Lehrling von 1736 hätte seine Freude daran.

Die erste Flasche

Die VerkostungenSiegbert, meine Frau Beatrix und ich haben Schritt für Schritt verkostet. Manche Zwischenergebnisse waren ziemlich ernüchternd. Die Angelikawurzel zum Beispiel schmeckte nach Gemüsebrühe und flog raus.
Der KofferraumDie ersten Flaschen habe ich ein paar Tage vor dem offiziellen Start verkauft: auf einer Geburtstagsfeier mit alten Kollegen aus der Gläsernen Manufaktur, nahe dem Blauen Wunder, direkt aus dem Kofferraum.
Karstadt DresdenDer erste offizielle Händler. Frau Werner, die Marktleiterin, hat JUNIPER JACK vom ersten Tag an gelistet. Wir haben zusammen ausgepackt, ein Stammkunde kam neugierig dazu, sie erzählte ihm die Geschichte von Jack Juniper. Er nahm spontan zwei Flaschen mit.

Und dann das Tattoo. Ein Fan hat sich den Kopf von JUNIPER JACK samt Ranken großflächig auf beide Waden stechen lassen. Ich bin selbst tintenfrei und war ehrlich gesagt geschockt, mehr noch: Ich hatte ein schlechtes Gewissen wegen der Schmerzen. Ich habe ihm zwei Flaschen geschickt. Er fand die Figur einfach gut und identifiziert sich mit ihr. Mehr kann sich ein Lehrling von 1736 nicht wünschen.

JUNIPER JACK London Dry Gin

Der Gin, für den der Name steht: wilder Wacholder aus Kroatien, sechs benannte Botanicals und drei geheime, gebrannt bei Meißen. Mehr dazu, was London Dry bedeutet, liest du beim London Dry Gin.

London Dry Gin - 500 ml
500 ml

Inhalt: 0.5 Liter (ab 71,96 €* / 1 Liter)

35,98 €* - 39,98 €*
London Dry Gin - 350 ml
350 ml

Inhalt: 0.35 Liter (ab 65,66 €* / 1 Liter)

22,98 €* - 27,98 €*
London Dry Gin - 100 ml
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Inhalt: 0.1 Liter (ab 89,80 €* / 1 Liter)

8,98 €* - 11,98 €*

Häufige Fragen

Gab es Jack Juniper wirklich?

Ja, als Pseudonym. 1736 erschien in London das Theaterstück „The Deposing and Death of Queen Gin“, laut Titelblatt geschrieben von „Jack Juniper, a Distiller's Apprentice, just turn'd Poet“. Aufgeführt wurde es am 2. August 1736 im New Theatre am Haymarket. Wer sich hinter dem Namen verbarg, ist nicht bekannt.

Was war der Gin Act von 1736?

Ein Gesetz unter König Georg II. gegen den massenhaften Gin-Konsum in London, den sogenannten Gin Craze. Wer Gin ausschenken wollte, brauchte eine Lizenz für 50 Pfund im Jahr, dazu kam eine Steuer von 20 Schilling pro Gallone. Das Gesetz löste Proteste aus und wurde 1743 praktisch wieder aufgehoben.

Was bedeutet Juniper?

Juniper ist das englische Wort für Wacholder, botanisch Juniperus. Ohne Wacholder darf sich eine Spirituose in der EU nicht Gin nennen.

Warum hat die Flasche ein Zinnetikett?

Es zitiert die Eintrittsplaketten aus Blech, mit denen man im 18. Jahrhundert ins Theater kam. Papier war damals teuer, die Plaketten wurden eingesammelt und wiederverwendet.

Was bedeutet „The Rest is Silence“ auf der Flasche?

Es sind Hamlets letzte Worte bei Shakespeare. Bei uns stehen sie für die drei Botanicals, die wir nicht verraten. Sieben weitere stehen mit Rollennamen auf dem Etikett.

Wer steht heute hinter JUNIPER JACK?

Ich, Jörg Fiedler, mit meiner Firma Independent Spirit Dresden GmbH. Die Rezeptur hat Destillateurmeister Siegbert Hennig mit mir entwickelt. Gebrannt wird von Siegbert in der Meissener Spezialitätenbrennerei und von Martin Wagner in der Sächsischen Spirituosenmanufaktur bei Bautzen. Seit 2015 gibt es JUNIPER JACK zu kaufen.

Quellen: Titelblatt „The Deposing and Death of Queen Gin“, London 1736 · The London Stage Database, Aufführung vom 02.08.1736 · Gin Act 1736 (9 Geo. 2 c. 23) · Past Tense, „1736: a rumoured uprising against the Gin Act“ (2019) · Cambridge University Library, „Crazy for gin“ (2021).