Gin-Wissen · Gin-Kategorien
London Dry Gin
Was der Name verspricht, was das Gesetz verlangt und wie wir unseren brennen. Kurz gesagt: London Dry ist eine Herstellungsregel, keine Herkunft.
London Dry Gin: kurz erklärt
London Dry Gin ist keine Herkunftsangabe, sondern die strengste Gin-Kategorie im EU-Recht. Er darf überall auf der Welt hergestellt werden. Sein Aroma muss aber vollständig aus einer Destillation mit echten Botanicals stammen. Danach kommen nur noch Alkohol derselben Qualität und Wasser dazu. Keine Aromen, keine Farbe, praktisch kein Zucker (höchstens 0,1 g je Liter). Wenn du also "London Dry" auf dem Etikett liest, weißt du, wie der Gin gemacht wurde. Nicht, wo.

Warum heißt er "London", wenn er nicht aus London kommen muss?
Der Name stammt aus dem 19. Jahrhundert. London war damals das Zentrum der Gin-Herstellung. 1830 ließ sich Aeneas Coffey seine Säulenbrennanlage patentieren. Damit ließ sich zum ersten Mal sauberer, neutraler Alkohol in großen Mengen herstellen. Vorher war der Grundalkohol oft rau, und viele Gins wurden gesüßt, um das zu überdecken (der sogenannte Old Tom Gin).
Mit dem reineren Alkohol brauchte es keinen Zucker mehr. Die Londoner Destillerien brannten ihre Gins trocken, also "dry". Der Stil hieß bald nach der Stadt, in der er groß wurde. Heute ist "London Gin" in der EU eine geschützte Kategorie mit festen Regeln, keine geografische Angabe. Ein London Dry aus Sachsen ist also genauso korrekt wie einer aus London.
Gin, Destillierter Gin, London Gin: die drei Stufen
Die EU-Spirituosenverordnung (VO (EU) 2019/787, Anhang I, Nr. 20 bis 22) kennt drei Gin-Kategorien. Alle drei brauchen mindestens 37,5 % vol und einen vorherrschenden Wacholdergeschmack.
1. Gin
Alkohol wird mit Wacholder und anderen Aromen versetzt. Destillation ist nicht vorgeschrieben. Aromastoffe, Zucker und Farbe sind erlaubt.
2. Destillierter Gin
Alkohol (mind. 96 % vol) wird mit Wacholder und anderen Botanicals destilliert. Danach dürfen weitere Aromen und Süßung dazu.
3. London Gin
Das Aroma entsteht ausschließlich durch Destillation mit allen verwendeten Botanicals, das Destillat hat mindestens 70 % vol. Danach nur Alkohol gleicher Reinheit, Wasser und höchstens 0,1 g Zucker je Liter. Keine Farbe.
Gin, der nur durch Mischen von Alkohol mit Essenzen entsteht, nennt man umgangssprachlich "Compound Gin". Er darf "Gin" heißen, aber nicht "destilliert" und schon gar nicht "London".

Was ein London Dry darf und was nicht
Erlaubt: echte Botanicals in der Brennblase, Alkohol landwirtschaftlichen Ursprungs mit sehr wenig Methanol (max. 5 g/hl r. A.), Wasser zum Herabsetzen auf Trinkstärke.
Nicht erlaubt: Aromastoffe nach der Destillation, Farbstoffe, Zucker über 0,1 g je Liter.
Das heißt für dich: Was du schmeckst, stammt aus der Brennblase. Die Rezeptur muss beim Destillieren fertig sein. Nachbessern geht nicht.
Genau deshalb dauert die Entwicklung eines London Dry so lange. Ein Gin aus Alkohol und Aromen ist in wenigen Wochen fertig. Bei uns hat die Rezeptur rund ein Jahr gebraucht, mit vielen Zwischenständen, die nach Gemüsebrühe schmeckten.
Pur oder im Longdrink? Gin pur oder gemischt? Hör auf zu streiten.

Wie schmeckt London Dry Gin?
Klar, trocken und nach Wacholder. Das ist kein Geschmacksurteil, das ist die Idee der Kategorie. Typisch sind dazu Zitrusschalen, Koriandersamen und Wurzeln oder Kräuter, die dem Wacholder Tiefe geben. Weil kein Zucker kaschieren darf, fällt jeder Fehler auf: rauer Alkohol, schlechte Botanicals, ein unsauberer Schnitt.
Unser Test dafür: Wenn dich jemand um zwei Uhr nachts weckt und dir das Glas unter die Nase hält, musst du sofort wissen, dass es Gin ist. Viele moderne Gins (oft "New Western Dry" genannt) stellen eine Frucht oder ein Kraut in den Vordergrund. Das kann gut schmecken. Ein London Dry stellt den Wacholder nach vorn.
Der Louche-Effekt: wenn dein Gin trüb wird
Gibst du JUNIPER JACK auf Eis oder stellst ihn kalt, wird er milchig. Das ist kein Fehler. Kälte und Wasser schwächen die Kraft des Alkohols, die ätherischen Öle zu binden. Die Öle lagern sich zusammen und brechen das Licht. Bei Zimmertemperatur wird der Gin wieder klar.
Je stärker der Effekt, desto mehr ätherisches Öl steckt drin. Im House of Gin Berlin, mit über 300 Gins im Regal, zeigten nur zwei den Effekt so deutlich wie unserer. Wir filtern bewusst nur grob, damit die Öle drinbleiben. Mehr dazu: Der trübe Moment.

So brennen wir unseren London Dry
Wacholder: wild gesammelt in Kroatien, nahe dem Nationalpark Plitvicer Seen. Mira und Duka ernten ihn für uns. Er wird nicht gewalzt, damit die Kerne keine Bitterstoffe abgeben. Zur Wacholder-Geschichte
Botanicals: Wacholder plus neun weitere. Sechs nennen wir: Bitterorangenschale, Zitronenschale, Brombeerblätter, Minze, Koriandersamen und Wermut. Drei bleiben unser Geheimnis
Mazeration: in Gruppen getrennt, in unterschiedlichen Alkoholstärken, bis zu einer Woche. Filigrane Kräuter wie Minze kommen erst zur Destillation dazu
Destillation: rund acht Stunden, dampfbeheizt, in einer 300-Liter-Kupferbrennblase bei Meißen. Den Schnitt zwischen Vorlauf, Herzstück und Nachlauf macht der Brennmeister nach Erfahrung
Ruhe: sechs Monate im Tank, bevor abgefüllt wird. Danach kommt nur Wasser dazu, auf 46,5 % vol
Weniger ist für uns mehr. 40 Kräuter schmeckt niemand heraus. Auf die Auswahl, die Balance und die Qualität kommt es an. Mehr zur Herstellung
Unser London Dry Gin
Drei Größen, ein Gin: 46,5 % vol, wilder Wacholder aus Kroatien, sechs genannte und drei geheime Botanicals.
Häufige Fragen zu London Dry Gin
Muss London Dry Gin aus London kommen?
Nein. "London Gin" ist in der EU eine Herstellungskategorie, keine Herkunftsangabe (VO (EU) 2019/787, Anhang I, Nr. 22). Er darf überall hergestellt werden, wenn die Regeln eingehalten werden.
Was ist der Unterschied zwischen Dry Gin und London Dry Gin?
"Dry" bedeutet bei allen Gin-Kategorien: höchstens 0,1 g Zucker je Liter. London Dry geht weiter: Das Aroma muss vollständig aus der Destillation mit echten Botanicals stammen, danach sind weder Aromen noch Farbe erlaubt. Ein Dry Gin darf nachträglich aromatisiert sein.
Ist London Dry Gin besser als anderer Gin?
London Dry beschreibt die Herstellung, nicht den Geschmack. Er garantiert, dass das Aroma aus der Brennblase kommt. Ob dir ein Gin schmeckt, entscheidest du im Glas.
Enthält London Dry Gin Zucker?
Praktisch nicht. Erlaubt sind höchstens 0,1 g Süßungsmittel je Liter.
Warum wird JUNIPER JACK trüb, wenn er kalt wird?
Das ist der Louche-Effekt. Bei Kälte oder Verdünnung lagern sich ätherische Öle zusammen und brechen das Licht. Bei Zimmertemperatur wird der Gin wieder klar. Viel Trübung heißt viel ätherisches Öl.
Wie trinke ich London Dry Gin am besten?
Pur bei Zimmertemperatur, um ihn kennenzulernen. Im Gin Tonic mit 4 cl Gin auf rund 150 ml Tonic und viel Eis. Und in Klassikern wie Martini, Negroni oder Bramble.
Zuletzt aktualisiert: 20.10.2026 · Jörg Fiedler, Gründer von JUNIPER JACK