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Gin-Wissen · Herstellung

Wie wird Gin hergestellt? Ein Blick in unsere Brennerei zwischen Dresden und Meißen

Gin entsteht in drei Schritten: Botanicals in Alkohol einlegen, in der Brennblase destillieren und dabei Vor- und Nachlauf abtrennen, dann mit Wasser auf Trinkstärke bringen. Wie das bei uns aussieht, mit 300-Liter-Kupferbrennblase, acht Stunden Destillation und sechs Monaten Ruhe, zeige ich dir hier.

Die sechs Schritte ↓

Von Jörg Fiedler, Gründer von JUNIPER JACK · aktualisiert am 20.10.2026 · Lesezeit ca. 7 Minuten

300 lfasst unsere Kupferbrennblase
8 Stundendauert eine Destillation, dampfbeheizt und langsam
6 Monateruht der Gin im Edelstahltank, bevor er in die Flasche kommt
10Botanicals, Wacholder in der Hauptrolle
Kupferbrennblase in der Meissener Spezialitätenbrennerei
Foto: A. Liebich

Kein Schild, kein Handyempfang

Die Meissener Spezialitätenbrennerei liegt in Reichenbach, einem kleinen Ort zwischen Dresden und Meißen. Der Weg führt über Land, durch Dörfer, an Feldern und einer Apfelplantage vorbei. Von außen sieht alles aus wie ein Apfelhof. Kein Firmenlogo, nichts weist auf eine Brennerei hin. Handyempfang gibt es auch keinen.

Vor dem alten Haus stehen Paletten, Tanks und zur Erntezeit das angelieferte Obst. Drinnen riecht es nach Obstbrand, nach vielen Sorten gleichzeitig, mit einer leichten Süße in der Luft. Das ist keine Schaubrennerei, sondern eine Arbeitsbrennerei. Hinter Edelstahltüren lagern Whiskyfässer.

Ein enger Gang führt zu den drei Brennblasen, jede in ihrem eigenen Raum, mit Zollplomben und Gasmeldern. Wenn eine läuft, hörst du ein gleichmäßiges Rauschen, manchmal das Rührwerk, ein leises Plätschern. Durchs Bullauge siehst du die Spritzer beim Destillieren.

Destillateurmeister Siegbert Hennig
Siegbert Hennig

Siegbert Hennig, Destillateurmeister

Siegbert ist in Meißen geboren und in Freital aufgewachsen. Er ist Diplom-Lebensmitteltechnologe und seit 2000 Destillateurmeister. Sich selbst nennt er vor allem Obstbrenner. Gin kam 2013 dazu, mit mir.

Du triffst ihn in blauer Latzhose, direkt an der Brennblase. Erst ein grimmiger Blick, dann ein fester Händedruck und ein „Herr Fiedler“. Wir kennen uns seit 2008 und siezen uns bis heute, ein bisschen wie Günter Netzer und Gerhard Delling. Was hinter dem Blick steckt, wusste ich von Anfang an: Siegbert ist ein Mann der Tat, und daran erkennt man sein Herz ;)

„Kräftig wacholdrig, weil dünn wollte ich nicht.“Siegbert Hennig

Destillateurmeister Martin Wagner verkostet Gin vor der Kupferbrennblase
Martin Wagner, Sächsische Spirituosenmanufaktur

Martin Wagner, Destillateurmeister

Martin brennt in der Sächsischen Spirituosenmanufaktur. Den Schnitt setzt er aus Erfahrung, Messung und Instinkt: Er weiß, wann das Herzstück beginnt und wann es endet.

Als aus unserem Winterausschank GLÜH wurde und der Gin-Punsch in die Flasche sollte, war Martin dabei. Ohne ihn gäbe es GLÜH so nicht.

Logo Sächsische Spirituosenmanufaktur

Gin-Herstellung in sechs Schritten

Botanicals auswählenWacholder ist der Hauptdarsteller. Unserer wird von Mira und Duka in Kroatien wild gesammelt, jeder Jahrgang schmeckt ein wenig anders. Dazu Bitterorange, Zitrone, Koriandersamen, Minze, Brombeerblätter, Wermut und drei geheime Zutaten.
MazerierenWie ein Teebeutel, nur langsamer: Die Botanicals ziehen in Alkohol und geben ihre Aromen ab. Jede Gruppe in einem eigenen Gefäß, teils mit unterschiedlicher Alkoholstärke. Den Wacholder lassen wir ganz, statt ihn zu walzen. Gewalzt ginge es schneller, aber die Kerne würden aufbrechen und Bitterstoffe freigeben.
DestillierenAlles kommt zusammen in die 300-Liter-Kupferbrennblase. Zarte Kräuter wie die Minze werden nicht vorher eingelegt, sie kommen erst jetzt dazu und würden sonst bitter. Die Blase wird mit Dampf beheizt und lässt sich so präzise steuern. Acht Stunden lang, die spannenden Aromen kommen erst spät.
Der SchnittDer neuralgische Punkt. Was zuerst kommt, der Vorlauf, und was am Ende kommt, der Nachlauf, wird abgetrennt. In die Flasche kommt nur das Herzstück dazwischen. Siegbert hält dafür den Finger in den Strahl, reibt das Destillat auf den Handrücken, riecht und schmeckt. Zu früh aufhören macht den Gin flach, zu spät lässt ihn kippen.
Ruhen und auf Trinkstärke bringenSechs Monate ruht der Gin im Edelstahltank. Danach wird er erwachsener und runder. Erst dann bringen wir ihn mit Wasser auf 46,5 % vol und füllen ab. Bei London Dry Gin darf nach der Destillation kein Aroma und keine Farbe mehr dazu.
Verkosten und freigebenVor der Abfüllung wird verkostet, vormittags gegen 10 Uhr, wenn der Gaumen frisch ist. Bei Spirituosen wird geschluckt, nicht gespuckt, die Aromen im Rachen entscheiden. Eine halbe Stunde volle Konzentration. Danach fahre ich kein Auto mehr.

Nicht gierig sein

Wer Gin auf maximale Ausbeute trimmt, hat drei Stellschrauben: die Destillation von acht auf ein, zwei Stunden zusammendrücken, mehr Vor- und Nachlauf ins Produkt lassen und heißer fahren, als der Qualität guttut. Wir machen bewusst das Gegenteil.

Auch die sechs Monate Ruhe sind betriebswirtschaftlich eigentlich Wahnsinn. Ein normaler Lohnbrenn-Kunde würde nie ein halbes Jahr lang Kapital im Tank liegen lassen. Ein guter Gin braucht aber genau das.

„Ich komme nicht mit dem Wunschzettel, sondern mit dem Kofferraum voller Botanicals.“Jörg Fiedler

Zum Vergleich: Ein Compound Gin aus Neutralalkohol und zugekauften Aromen ist in etwa zwei Wochen fertig, ohne Brennblase. Was das Gesetz bei London Dry verlangt, steht beim London Dry Gin.

Glasballon in der Brennerei
Foto: A. Liebich

Wenn eine Charge nicht stimmt: der grüne Gin

Auch erfahrenen Brennmeistern geht mal etwas daneben. Einmal hat es im Geistrohr geschäumt, dort, wo die Alkoholdämpfe aufsteigen. Der Schaum ist mit nach oben gewandert und hat Farbstoffe aus den Kräutern ins Destillat getragen, vermutlich von den Brombeerblättern.

Im Tank war der Gin glasklar. In der Flasche hatte er einen leichten Grünstich. Geschmacklich war er identisch mit dem Original. Wir haben die bereits abgefüllten Flaschen trotzdem wieder geleert und die Charge aus dem Verkehr gezogen.

„Über Geschmack kann man streiten, aber über Qualität nicht.“Jörg Fiedler

Wacholdersammler in Kroatien bei der Ernte

Alles beginnt mit dem Wacholder

Nach der ersten erfolgreichen Rezeptur kam der Schock: Die zweite Charge schmeckte anders. Gleicher Lieferant, gleiches Land, gleicher Jahrgang, aber der Wacholder passte nicht. Aromen zusammenschütten wäre reproduzierbar gewesen, kam aber nicht in Frage.

Die Lösung kam aus dem Weinbau: Terroir. Jemand, der den Wacholder immer aus derselben Gegend sammelt. Siegbert sagte halb im Scherz „Viel Spaß bei der Suche“. Wie ich Mira und Duka in den Wäldern bei den Plitvicer Seen gefunden habe, erzähle ich auf der Seite über unseren wilden Wacholder.

Und der Zoll schaut genau hin. Eine Brennerei arbeitet unter Zollaufsicht. Bei den jährlichen Prüfungen werden selbst Differenzen unter einem Liter durchleuchtet. Jede Brennblase ist verplombt. Das trifft vor allem Siegbert, bei mir kommt es gefiltert an. Die Regeln haben ihren Sinn.

Aus dieser Brennblase

London Dry Gin, Navy Strength und Smoke & Oak: Alle drei entstehen bei unseren Destillateurmeistern Siegbert Hennig und Martin Wagner.

London Dry Gin - 500 ml
500 ml

Inhalt: 0.5 Liter (ab 71,96 €* / 1 Liter)

35,98 €* - 39,98 €*
Navy Strength Gin - 57,2% vol
500 ml

Inhalt: 0.5 Liter (ab 79,96 €* / 1 Liter)

39,98 €* - 44,98 €*
Smoke & Oak Gin - Barrel Aged
500 ml

Inhalt: 0.5 Liter (ab 79,96 €* / 1 Liter)

39,98 €* - 44,98 €*

Häufige Fragen

Wie wird Gin hergestellt?

Gin entsteht aus Alkohol landwirtschaftlichen Ursprungs und Botanicals, allen voran Wacholder. Die Botanicals werden in Alkohol eingelegt (Mazeration), dann in einer Brennblase destilliert. Dabei werden Vor- und Nachlauf abgetrennt. Das Herzstück wird mit Wasser auf Trinkstärke gebracht. Bei JUNIPER JACK ruht der Gin vorher sechs Monate.

Was sind Vorlauf, Herzstück und Nachlauf?

Bei der Destillation kommen nicht alle Stoffe gleichzeitig. Der Vorlauf enthält leicht flüchtige, unerwünschte Bestandteile, der Nachlauf schwere, oft muffige oder bittere. Nur das Herzstück (Mittellauf) dazwischen kommt in die Flasche. Wo genau geschnitten wird, entscheidet der Brennmeister nach Erfahrung.

Was bedeutet Mazeration beim Gin?

Die Botanicals ziehen über längere Zeit in Alkohol, ähnlich wie Tee in Wasser, und geben dabei ihre Aromastoffe ab. Danach wird destilliert.

Wie lange dauert die Herstellung von Gin?

Sehr unterschiedlich. Ein Compound Gin aus Alkohol und Aromen ist in etwa zwei Wochen fertig. Bei JUNIPER JACK kommen Mazeration, acht Stunden Destillation und sechs Monate Ruhe im Tank zusammen.

Warum muss Gin nach dem Destillieren ruhen?

Frisch destillierter Gin wirkt oft noch kantig. In der Ruhezeit verbinden sich die Aromen, er wird runder und harmonischer. Wir lassen ihm dafür sechs Monate.

Wo wird JUNIPER JACK gebrannt?

Bei zwei Destillateurmeistern: Siegbert Hennig in der Meissener Spezialitätenbrennerei in Reichenbach zwischen Dresden und Meißen und Martin Wagner in der Sächsischen Spirituosenmanufaktur bei Bautzen.

Rechtsgrundlage: Verordnung (EU) 2019/787, Anhang I Nr. 20 bis 22 (Gin, Destillierter Gin, London Gin).