WHO THE F*** IS JUNIPER JACK?!

Du denkst, JUNIPER JACK ist nur eine Erfindung?
Na dann lass uns mal auf eine kleine Reise ins London des 18. Jahrhunderts machen.

Vorgeschichte

Im Herbst 2013 saßen Siegbert Hennig (Destillateurmeister) und ich (Jörg Fiedler) zusammen um die nächsten Bestellungen zu besprechen. Zu der Zeit hatte ich die erlesenen Spirituosen der Meissener Spezialitätenbrennerei gehandelt. Und wie es so ist, man kommt ins Plaudern, schließlich kennen wir uns schon seit 2008. Da lies Herr Hennig beiläufig in einem Nebensatz die Frage fallen, was man denn spannendes zusammen machen könnte… Schweigen. Die Augen nach oben verdreht… innerlich ging ich die Spirituosen alphabetisch durch. A, wie … Absinth, sprach ich laut aus?! Den Gedanken zog ich aber schnell wieder zurück. So ging das eine Weile, bis Siegbert Hennig „Gin“ sagte. Oh! Nun hat er meine Aufmerksamkeit. Ich sagte aber reflexartig „machen doch schon sooo viele!“. Seine Reaktion, und das war irgendwie der Schlüsselmoment. Zitat: „Pfff…. was kümmert uns, was andere machen!“. Recht hat er, dachte ich… Schweigen.

Recherche

Am nächsten morgen, wie von der Muse geküsst und von dem Gedanken beseelt, begriff ich so langsam, was wir tags zuvor beschlossen hatten. Der Meister bot mir die Möglichkeit einen EIGENEN Gin zu entwickeln. Wow. So mit allem was dazu gehört. Keine Kompromisse. Ohne Zwänge. Handwerklich sauber. Ein ehrliches Produkt!

Mit der Gin-Flasche vor meinem geistigen Auge ging ich schnurstracks in die Staatsbibliothek. Enttäuschend, nur ein einziges ernstzunehmendes Buch über Gin. Bei all den Studenten als Publikum dieser Uni-Bib hatte ich deutlich mehr erwartet. Glücklicherweise hatte es dieser alte Schinken in sich. Es waren lediglich 57 anstrengende Seiten bis ich auf die Geschichte eines jungen Azubi stieß. Sein Name: Juniper Jack.


LONDON 1736

Die Stadt platzte aus allen Nähten. Die Schere zwischen Arm und Reich war weit geöffnet. Das Elend überwog. Und der Kummer wurde vorzugsweise mit Gin betäubt. So lies es sich wohl leichter ertragen. Denn es wurde häufiger gestorben als neu geboren. Die Quellen berichten, dass „überall“ schwarz gebrannt wurde. Man kann sich wohl kaum vorstellen, wie toxisch dieser home made „Gin“ gewirkt und fürchterlich geschmeckt haben musste.

King George II war das aus vielerlei Gründen ein Dorn im Auge. Vermutlich waren die entgangenen Steuereinnahmen durch das exzessive Schwarzbrennen auch ein Grund. Und so kam es zu einer Reihe von Gesetzen, den sog. Gin-Acts. Im Jahr 1736 war es dann soweit. Nur noch acht Brennereien - darunter Beefeater und Gordons - durften gegen saftige Lizenzgebühr weiter Destillieren. Alle anderen Brennereien war es verboten. Punkt!


Juniper Jack

Die Reaktion der Bevölkerung lies nicht lange auf sich warten. Häuser wurden mit schwarzen Stoffen verhüllt. Särge mit der Aufschrift „Madame Genever“ wurden demonstrativ durch die Straßen getragen. Theaterstücke wurden zur Aufführung gebracht. Darunter auch „The Death of Queen Gin“. Eine heroisch-komisch-tragische Farse. Geschrieben von Jack, Juniper, einem Geselle einer Brennerei, der soeben zum Poeten wurde. So beschreibt er sich und sein Werk auf der Titelseite selbst. Eine literarische Ohrfeige gegen den König und dessen Gin-Act. Prämiere war am 02. August 1736 im New Theatre in the Haymarket. 

Schlau war der „Wacholder Jack“ schon, sich diesen Decknamen zu geben. Und Humor wohl auch, denn seine Schauspieler waren „Botanicals“ u.a. Earl Lemon, Madame Orange und Lord Blackberry. In guter alter Shakespeare-Manier starben am Ende alle. War ja klar.

Sicher, er war ein lausiger Dichter, aber ein mutiger Rebell mit Sinn für Kultur! Das passt zu uns. Eine kleine Manufaktur im Haifischbecken der Industrie. Und so sind keine 24 Stunden vergangen bis wir unseren Helden und Namensgeber gefunden hatten. Es lebe der independent Spirit!


Wer sich die Flasche übrigens genau anschaut, wird einige versteckte Hinweise auf die Geschichte von Juniper Jack finden.

So entspricht das Zinnetikett der Form der damals verwendeten Eintrittsplakette für das Theater. Damals war Papier zu teuer. Die Plaketten konnte man einsammeln und wiederverwenden.